28 Januar 2020

Frauentausch (9)

Nachmittag, ich sitze auf der Couch und sehe Frauentausch. Brigitte tauscht mit Melanie. Brigitte, in den Vierzigern, Wischmopfrisur blond mit grüner Strähne, spricht Dialekt, welchen, weiß ich nicht. Jedenfalls klingt er irgendwie nach Ruhrpott. Wirkt ein bisschen orientierungslos in der neuen Wohnung. Die kleinen Kaninchenaugen schauen nervös hin und her. Überall Zettel. 

Schatz kommt gerade nach Hause. 

Was läuft?, fragt sie, als sie in unseren Wohn-Essbereich kommt. 

Nichts. Nur Frauentausch.

So ein Mist schaust du dir an? 

Kommt nix anderes.

Melanie ist in der neuen Wohnung. Sie ist blondiert, hat eine Raucherstimme. Man glaubt förmlich, den Geruch von kalten Zigarettenrauch in der Nase zu haben, wenn man sie anschaut. Sie ist dünn und hat enge Jeans an und eine mächtige Oberweite. An jedem Finger trägt sie Ringe. Drecksloch sagt sie zu der Wohnung, in der sie sich gerade umschaut. 

Gegen wen würdest du mich eintauschen?, unterbricht Schatz. Gegen Gabi?

Nein. 

Ich weiß es, du würdest mich gegen Iris eintauschen.

Niemals.

Die steht auf dich.

Glaub ich nicht.

Hat sie doch selbst gesagt an Silvester.

Da war sie betrunken.

Apropos Iris! Heute Morgen schrieb sie mir eine WhatsApp. Sie lädt uns ein zu einem Foto-Abend.

Macht man so etwas heutzutage noch. Ich dachte Dia-Abende wären out.

Sie macht ja auch einen Foto-Abend keinen Dia-Abend. Mit Bildern auf dem Fernseher, weißt du?

Das geht? Könnten wir das auch machen?

Natürlich. 

War mir gar nicht klar.

Du und Technik, winkt Schatz ab.

Müssen wir da hingehen?, frage ich.

Denke schon. Es wäre eine kleine Wiedergutmachung für Silvester.

Aber sie ist doch selbst schuld, wenn sie sich betrinkt.

Trotzdem. Gabi und Frank kommen auch.

Na gut.

Melanie hat nun den Mann von Brigitte getroffen. Sie beschimpft ihn erst einmal und verdonnert ihn dazu, den Müll runterzubringen. 

Schatz hockt inzwischen auch auf dem Sofa und schaut. 

Würdest du mich mit der eintauschen, fragt sie.

Nie im Leben. Die raucht bestimmt.

Nur deshalb. 

Nein auch sonst.

Hat doch ne gute Figur. Knallenge Jeans. Blonde Haare? Praller Busen. Stehst du nicht auf so etwas?

Auf solche Kratzbürsten? Ganz bestimmt nicht. 

Na ja, ich bin manchmal ja auch nicht einfach…

Ich schweige. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man auch so eine Bemerkung bei Schatz kaum etwas entgegnen kann, was keinen Streit verursacht. 

Apropos Kratzbürste, sagt sie, wo ist eigentlich Taliban?

Keine Ahnung. Habe ihn noch nicht gesehen. 

Schatz steht auf und geht im Zimmer umher. 

Schau dir das an, ruft sie plötzlich und winkt mich heran. Taliban sitzt verstört hinter einer Schrankecke.  Sein Fell ist voll mit gelber Farbe.

Das war bestimmt wieder dieser Bengel von nebenan, knurrt Schatz.

Pimax?

Egal wie der heißt. Das geht so nicht mehr weiter. Wir müssen mit seinen Eltern reden. Dieser Zwerg ist ein Tyrann. 

Vielleicht sollten wir erst einmal den Kater waschen, sage ich. Hoffentlich ist es wasserlösliche Farbe. 

Ich nehme Taliban auf meinen Arm und trage ihn ins Badezimmer. Er leistet keine Gegenwehr. Erst als ich ihn in die Badewanne setzen will, beginnt er zu kratzen.

Er ist mal ins Badewasser gefallen, sagt Schatz, die den Brausekopf in der Hand hält, seit dem reagiert er panisch, wenn er schon eine Wanne sieht. 

Mit Mühe gelingt es uns, das Tier nass zu machen. Die Farbe ist schon leicht angetrocknet. Meine Arme sehen aus, als hätte ich gerade einen Mord an einer Frau mit langen Fingernägel begangen. Die Farbe geht nur mit Mühe ab. Mit Bürsten und Seife gelingt es uns schließlich Taliban von dem Zeug zu befreien. Unser Badezimmer ist nun mit gelben Tropfen gesprenkelt. aDer Kater stürmt unter unser Bett im Schlafzimmer uns würdigt und den ganzen Abend keines Blickes mehr. 

Ich glaube, der würde sich am liebsten neue Mitbewohner suchen, sagt Schatz.

Zumindest neue Nachbarn, sage ich.

Dieses idiotische Kind, schimpft Schatz, wie kann er nur so etwas machen?

Immer noch besser, als wenn er dem Kater die Schnurrhaare ausreißt. Das konnte ich ihm ausreden.

Und hast ihm stattdessen vorgeschlagen, dass er unsere Katze anmalen darf.

Natürlich nicht. Ich sagte ihm, ich würde mit seinen Eltern reden, wenn er Taliban noch einmal ärgert. 

Und das werden wir auch tun.

Jetzt gleich?, frage ich mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. 

Jetzt gleich, bestätigt Schatz.


Schlagwörter: , , ,
Simon Wald © 2019. All rights reserved.

Verfasst 28. Januar 2020 von simon in category "Satire", "Schatz und ich

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.